Leonie – Das flenst!

Da war sie nun geschafft. Meine Zeit bei Global Foundries. Und ich war und bin wahrlich nicht unglücklich darüber. Durch die doch sehr monotone und anspruchslose Tätigkeit in Verbindung mit dem 12-stündigen Wechselschichtsystem seit Anfang des Jahres war ich schon ziemlich mitgenommen. Trainiert hatte ich seit Monaten nicht mehr. Weder Tanzen, noch Bowling. Und auch die Fotografie blieb weitgehend auf der Strecke. Zum 30. Mai 2015 nun also gekündigt worden, hatte ich durch Urlaubstage und Freizeitausgleich schon knapp zwei Wochen vor Vertragsende meinen letzten Arbeitstag. Das kam mir gelegen.

Denn schon vor Monaten hatte ich mich nämlich mit Leonie darauf geeinigt, ein gemeinsames Shooting zu machen. Als wir uns verabredeten, war sie, glaube ich, noch 18 Jahre alt und Schülerin. Da wird schnell klar, dass ich wohl eher zu ihr, als sie zu mir kommen sollte. Sie wohnt nämlich in Flensburg. Der nördlichsten kreisfreien Stadt Deutschlands, die vor allem aber dafür bekannt sein dürfte, dass sie viele Konten führt. Gefüllt mit kleinen hübschen Pünktchen.

Die Wahl fiel schon früh auf Ende Mai. Und zwar weil mir einfiel, dass ich eine gute Freundin im hohen Norden habe, mit der ich jetzt schon zweimal Prag unsicher gemacht hatte. Yvonne. Sie bot mir an, bei ihrer Mutter in Flensburg unterzukommen, weil diese am geplanten Wochenende nicht anwesend wäre. Spontan entschied Yvonne aber anders und brachte mich bei sich unter. In Kiel. Nur eine Stunde von Flensburg und damit Leonie entfernt.

Am Abend zuvor trudelte ich gegen 20/21 Uhr und nach kurzer Irrfahrt am Kieler Hauptbahnhof ein, setzte meine Mitfahrer ab und fuhr das letzte Stück zu Ivys Wohnung. Wir bestellten uns Pizza und machten den Schlachtplan für den folgenden Tag in Flensburg. Für mich stand Leonie auf dem Programm, für Yvonne war es Barka. Ein sympathischer junger Mann aus dem Benin am westafrikanischen Golf von Guinea, der eine Ausbildung an der deutschen Marine-Militärschule Mürwik absolviert.

Als Treffpunkt einigten wir uns auf den Strand Wassersleben kurz hinter dem nördlichen Stadtende. Von dort aus war bereits Dänemark zu sehen. Sogar fußläufig erreichbar. Auf dem Parkplatz angekommen, sahen wir schon Leonie in ihrem weißen Twingo. Wir rafften alles zusammen, was wir brauchten und machten uns auf zum Strand. Yvonne sprach sich per Telefon und SMS noch mit Barka ab und während wir zu dritt durch den Sand langsam zu einem Steinrücken stapften, schloss sich einige Zeit später auch Barka an.

Nicht viel später starteten Leonie und ich unsere Bildserie auf diesem Steinrücken. Die Flensburger Förde als Kulisse, schossen wir uns gemütlich warm. Im warsten Sinne. Auch wenn wir eine leichte und kühle Brise hatten, leistete die Sonne derweil ganze Arbeit.
Barka hatte sich in der Zwischenzeit in Schale geworfen. Er brachte nämlich ein traditionelles Gewand seines Stammes mit. Schon ein ungewöhnlicher Anblick, gleichzeitig aber auch eindrucksvoll.

Leonie und ich ließen ihn schließlich mit Ivy allein und liefen hinüber zum anderen Ende des Strandes. Eigentlich wollte ich auf die anliegenden Bootsstege. Die jedoch waren leider durch ein Tor abgeriegelt und so verkrümelten wir uns nebenan ins Schilf. Das dortige Licht war ganz nach meinem Geschmack. Es fiel punktuell durch die Blätter der Bäume des angrenzenden Waldstücks, was mir einige kleine Akzente ermöglichte.

Nachdem wir einige Zeit dort zubrachten, entschieden wir uns, nochmal in die Stadt zu fahren. Schon als wir den Termin ausmachten, war für mich klar, dass ich auch die Altstadt als Kulisee nutzen wollte. Wenig später die Autos auf einem Parkplatz an der „Schiffbrücke“ abgestellt, spazierte ich mit Leonie rüber zum Museumshafen. Einige Bilder später ging es dann rein ins Zentrum. Viele Geschäfte hatten an diesem Samstag bereits geschlossen, was dem Charme nicht abträglich war. Gestaunt habe ich dabei über die doch recht großen Höhenunterschiede.

Leonie zeigte mir dabei auch den Weg hoch zu ihrer dänischen Schule. Folglich spricht sie auch fließend dänisch. Das ist in Flensburg offenbar auch gar nicht mal soo ungewöhnlich. Ich hatte mehrere Schilder auf dänisch gesehen und klar, die Grenznähe bietet es an. Ebenso die Etablierung dänischer Supermärkte auf deutschem Boden. Allerdings war die Staatszugehörigkeit Flensburgs lange zeit ungeklärt. Immer wieder waren sich Deutschland und Dänemark darüber uneins. Eine Volksabstimmung im Jahre 1920 brachte dann aber schließlich Klarheit.

Ich weiß nicht mehr genau, wie spät es war, doch Leonie war verabredet und auch Yvonne und Barka warteren zunehmend ungeduldig am Strand auf meine Rückkehr. Also zurück zum Parkplatz, Leonie ins Auto gesetzt und auf nach Wasserleben. Von dort ging es abermals in die Altstadt. Ein wenig Sightseeing und zu guter Letzt auf ein Bier und Happen in einem der vielen anliegenden Restaurants. Es war inzwischen ein langer Tag geworden. Wir brachten Barka noch zur Bushaltestelle und fuhren danach wieder zurück nach Kiel. Dort angekommen noch ein kurzer Einkauf im Penny nebenan und schließlich wurden in der Wohnung die ersten Bilder gesichtet. Allzu spät ins Bett ging es trotzdem nicht. Hamburg rief schon nach uns.

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