Lisa Hein

Mit Lisa auf den Spuren der Soldaten

Wieder einmal war er da. Der Moment, in dem ich Bilder machen wollte, aber das angedachte Modell nicht konnte. Dieses Mal sogar längerfristig. Dabei war sie bereits der Ersatz für eine junge Dame, die ich für eine bestimmte Location im Sinn hatte. Ob dieses Shooting noch einmal zustande kommt, steht in den Sternen.
In jedem Fall hatte es zur Folge, dass ich abermals einen kleinen Aufruf startete, um kurzfristig jemanden für einen spontanen Aufnahmetermin zu gewinnen. Es war Lisa, die sich meiner erbarmte. Und nicht nur das. Sie hatte sogar ziemlich schnell einem tollen Ort im Sinn.

Ich also tags darauf ins Auto gehüpft und in die Dresdner Vorstadt gefahren. Lisa wartete in der Sonne bereits auf mich und ließ es sich gut gehen. Prompt machten wir uns auf den Weg. 200 Meter weiter kam genauso prompt und unverhofft die Frage, wie alt ich denn sei. Huch, dachte ich mir und antwortete mit einer Gegenfrage: „Was glaubst du denn?“ – Sie druckste erst ein wenig rum und meinte schließlich „39?“. Das haute mich dann doch etwas um. Anfang dreißig und Ende dreißig ist jetzt nicht ganz dasselbe. Später gedachte sie aber, ihre Aussage zu relativieren. Die Sonnenbrille hätte mich älter gemacht.

So lief ich denn mit dem 19-jährigen Küken (ich kam natürlich nicht umhin, es ihr gleichzutun) ein Stück weiter, um das erste Gebäude anzusteuern. Besser gesagt die erste Ruine. Denn als Shootingort wählte sie ein altes Kasernengelände der ehemaligen Sowjetarmee, das zu Großteilen schon seit der Wende leerstand.
Es war natürlich sehr spannend, einen so genannten „Lost Place“ zu erkunden. Gleichzeitig mussten Lisa und ich gut aufpassen. Die Häuser waren natürlich nach der Zeit in einem desolaten Zustand. Einige Bereiche jedoch, Betontreppen beispielsweise, erwiesen sich als annähernd unverwüstlich und entsprechend begehbar.

Vom Wohnheim aus machten wir uns auf zum großen Gemeinschaftsgebäude, das früher wohl unter anderem ein Kino beherbergte. Von den alten Sitzreihen gab es zwar weit und breit keine Spuren, dafür fanden sich einige dunkle Räume mit zugezimmerten Fenstern, durch die das Sonnenlicht fiel. Auf unserer kleinen Entdeckungsreise durch das Haus fanden Lisa und ich noch weitere interessante Dinge.

Zu guter Letzt machten wir uns wieder auf den Weg. Wäre da nicht noch ein Gebäude gewesen, dass mein Interesse weckte. Es war bei Weitem nicht so heruntergekommen, wie die anderen. Und als wir es betraten, bestätigte sich der Eindruck. Es wurde vermutlich deutlich später stillgelegt. Intakte Stühle und Heizkörper standen herum. Die Fenster waren größtenteils auch noch in Ordnung. Ich glaube, es war mal das Schulgebäude des Geländes.

Auf jeden Fall verbrauchte ich dort noch den restlichen Platz meiner Speicherkarte, bevor wir dann endgültig los mussten. Lisa wollte ihren Bruder verabschieden, der nach einem Wochenende bei den Eltern zu Hause wieder den Weg zu seinem Arbeitsort antreten sollte.

So riskant die ganze Aktion möglicherweise war (der Tragfähigkeit der Böden konnte man schließlich nie wirklich trauen), so lohnend war sie auch. In allen Gebäuden war das Licht unheimlich beeindruckend. Ein kleines Schlaraffenland der Fotografie. Obendrein kräftige Strukturen und Farben. Hat sich die liebe Lisa gut ausgesucht.

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