Das richtige Foto für Bewerber und Stelle

Ein komplexes Thema

Es erscheint eigentlich simpel. Aber man mag kaum glauben, wie viele Fragen immer wieder durch Kollegen und Bewerber gestellt werden und mir erneut vor Augen führen, dass das Thema Bewerbungsbilder allem Anschein nach komplexer ist, als es auf dem ersten Blick aussieht.

So hatte letztens ein recht junger Kollege in einem Forum die Frage gestellt, worauf er denn achten sollte. Dabei zeigte sich, dass gerade bezüglich des Bildschnittes immer wieder Unsicherheit herrscht. Auch die Themen Pose, Licht und Hintergrund sorgen immer wieder für Verwirrungen. Dabei werden diverse übliche Vorgehensweisen als Normen wahrgenommen. Einfach, weil sie so derart üblich sind, dass man es kaum anders kennt.

Die Anforderungen sind vielfältig

Jeder Beruf hat aber seine ganz eigenen Anforderungen und damit auch seine ganz eigenen Normen. Und diese wiederum können von Unternehmen zu Unternehmen variieren. Wirklich feste Regeln kann und darf es also nicht geben. Bis auf eine: Die Fotos sollten sowohl zum Bewerber als auch zur Stelle passen.

Nun gibt es eine Vielzahl an Berufen, die teilweise unterschiedlicher nicht sein können. Von Bank- oder Versicherungsangestellten über Bürokaufleute und Handwerker bis hin zu Kreativen, wie Designer es sind. Die einen besonders seriös, die anderen kommunikativ oder die, die meistens allein im Innendienst sitzen und kaum unter Leute kommen.
Des Weiteren stellt sich die Frage, ob es darum geht, sich auf eine Führungsposition zu bewerben. Und wenn ja, auf welche Sprosse der Karriereleiter.


Was uns das Gesicht verrät

Die Anforderungen an ein Bewerbungsfoto sind also äußerst individuell, wodurch sich eine Vielzahl an Details ergeben, auf die man achten sollte. Darunter fällt ebenso der Gesichtsausdruck. Da der Mensch über sogenannte Spiegelneuronen verfügt, kann er in der Mimik unbewusst die Emotionen seines Gegenübers lesen. Meist geht dies mit der Eigenschaft einher, die jeweilige Expression zu kopieren und zu fühlen. Die Mimikresonanz. Begegnet uns jemand also beispielsweise mit dem Ausdruck des Ekels oder der Verachtung, tun wir es ihm gegenüber gleich. In der Folge ist uns dieser Mensch ganz einfach unsympathisch.

Die Experten unterscheiden in sieben Basisemotionen. Ekel, Verachtung, Wut, Angst, Freude, Überraschung und Trauer. Da wir unserem zukünftigen Chef vermitteln wollen, dass wir uns darauf freuen, bei ihm zu tätig zu werden, wird schnell klar, welche dieser Emotionen bildlich im Vordergrund stehen sollte.

Zu viel des Guten?

Sicher wollen wir sympathisch auf unseren neuen Boss wirken. Je nach Persönlichkeit und Stelle sollte der Bewerber jedoch ein Foto verwenden, das keinen allzu großen Unterschied zwischen seinem Foto und seinem alltäglichen Gemüt aufzeigen sollte.

Gewiss ist dieses Gemüt Schwankungen unterworfen, aber ein offener und kommunikativer Mensch sollte nicht zu ernst dreinschauen und ein eher verschlossener sollte keine „Grinsebacke“ sein.

Die folgenden drei Beispiele sind annähernd identisch, zeigen aber unterschiedliche Ausprägungen der Freude. Welche die richtige ist, muss stets im Einzelfall entschieden werden.

neutral

neutral

sympathisch

sympathisch

sehr freundlich

sehr freundlich

 

Was uns die Frisur verrät

Eigentlich nicht viel. Aber sie hat dennoch Wirkung. Bei meinen Recherchen stellte sich heraus, dass bezüglich Haare diejenigen begünstigt werden, die eher männliche Züge annehmen. Vor allem bei Frauen. Kurzhaarige werden als schlauer wahrgenommen, Frauen mit hochgesteckter Mähne als Führungskraft. Besonders ungünstig ist hingegen die Lage für jene, die wenig bis keine Haare haben. Die meist männlichen Kandidaten werden dann als weniger zielstrebig betrachtet und ihnen ihre Kompetenz teilweise unbewusst aberkannt. Daher werden diese wohl auch seltener zu einem Gespräch eingeladen.


Bewerber-Beispiel 1: Der Versicherungsvertreter oder Bankier

Versicherungen und Finanzprodukte sind eine „Ware“, die nicht greifbar ist. Ihren Wert kann man oft erst nach Jahren einschätzen bzw. wenn man gezwungen ist, sie in Anspruch zu nehmen. Hier sind Menschen gefragt, die einen vertrauenswürdigen Eindruck machen und die uns das Gefühl von Seriösität, Offenheit und Hilfsbereitschaft vermitteln. Entsprechend ist es sinnvoll, durch entsprechende Kleidung wie einen Anzug oder ein Kostüm die notwendige Sachlichkeit und mit einem offenen Gesichtsausdruck Sympathie auszustrahlen. Hilfreich kann es ebenfalls sein, einen engen Bildausschnitt zu wählen, um eine gewisse Nähe zu erzeugen.

Erik Linke

Beispiel 1


Bewerber-Beispiel 2: Der Innendienst im Team

Innendienst bedeutet meist Routinearbeit. Man verrichtet tagtäglich dieselben Aufgaben und hat ebenso jeden Tag mit denselben Menschen zu tun. Hier kommt es zugute freundlich, sachlich, familiär und geerdet rüberzukommen. Der Aufzug darf etwas legèrer, aber nicht zu locker sein. Brauntöne in der Kleidung oder beim Hintergrund beispielsweise unterstreichen eine gewisse Natürlichkeit, Ruhe und Wärme. Zwar sind die nicht zwingend, viel falsch machen kann man damit aber eher selten.

Juliane Weber

Beispiel 2


Bewerber-Beispiel 3: Der Außendienstmitarbeiter

Außendienstler haben es häufig mit immer wieder anderen Menschen zu tun. Entweder sind sie verstärkt auf Neukundenbesuche spezialisiert oder wechseln als Berater in regelmäßigen Abständen ihren Wirkungsort. Da vor allem er es ist, mit dem der Kunde die Firma assoziiert, steht hier absolut der Mensch im Vordergrund. Er soll sein Unternehmen bestmöglich vertreten und nachhaltig Sorge am Erfolg mittragen. Deshalb sollte die Kleidung die Persönlichkeit unterstreichen und der Hintergrund stark zurückhaltend sein. Dieser Herr beispielsweise ist ein eher modisch geprägter und adretter Typ. Er achtet sehr auf sich und sein Äußeres. Die Pflege seiner selbst kann durchaus ein Indiz dafür sein, dass er mindestens ebenso pfleglich mit den Kundenbeziehungen umgeht.

Beispiel 3

Beispiel 3


Bewerber-Beispiel 4: Die kreativ-kommunikative Branche

Kreative Menschen sind Freigeister. Das müssen sie auch sein, damit sie sich bestmöglich entfalten und ihrem Arbeitgeber die wirklich zündenden Ideen für den Unternehmenserfolg liefern können. Dafür ist es wichtig, diese Menschen nicht in ein Korsett zu zwängen. Das weiß sowohl ein guter Fotograf, als auch der zukünftige Arbeitgeber. Deshalb bleibt in diesem Sektor ein wesentlich größerer Spielraum für die Bildgestaltung. So darf der Hintergrund von der Norm abweichen, kann auch mal außerhalb eines Studios sein. Verfügt ein Gebäude beispielsweise über klare Linien, können diese durchaus eingebunden und auf diese Weise der geradlinige Charakter des Bewerbers transportiert werden. Andere sind eher naturbezogen, sodass vielleicht (stark verschwommenes) Laubwerk als Hintergrund dienen kann. Auch die Haltung darf etwas lockerer und „gemütlicher“ sein. Jedoch, trotz dieser Möglichkeiten sollte der Hintergrund nicht zu dominant und die Kleidung nicht zu lässig gewählt sein. Auf diese Weise wird dem künftigen Chef ein gewisser Respekt gezollt.

Beispiel 4

Beispiel 4


Bewerber-Beispiel 5: Die Führungskraft

„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ … „Auf der anderen Seite des Tisches!“ – Führungskräfte sind ein Thema für sich. Warum? Je nachdem, um welche Stelle es geht, sollte das Bewerbungsfoto den Punkt der angestrebten Hierarchieebene möglichst genau treffen. Ist es zu „lasch“, wird der Bewerber nicht als Führungspersönlichkeit wahrgenommen. Ist es zu progressiv, besteht die Gefahr, dass sich der jeweilige Abteilungsleiter in seiner Position angegriffen fühlt. Beides führt ganz sicher nicht zum Erfolg. Wichtig ist es aber in jedem Fall, gesetzt zu wirken. Gelassenheit gepaart mit Willensstärke und Durchsetzungsvermögen. Ein eher neutraler Hintergrund bietet sich an, denn ebenso neutral muss er als Chef seinen Mitarbeitern gegenüber agieren. Mein Beispiel zeigt zum einen verschränkte Arme, die ihm Robustheit verleihen, zum anderen ist es aus einer sehr leicht erhöhten Position aufgenommen. Letzteres suggeriert eine sehr subtile Unterwürfigkeit, die seinen nächsten Arbeitgeber gelassen stimmen sollte.

Beispiel 5

Beispiel 5


Bewerber-Beispiel 6: Der Boss

Eigentlich brauche ich diese Sorte Bewerber gar nicht zu zeigen. Wer einen äußerst hochrangigen Posten zu bekleiden gesucht, sendet keine formellen Bewerbungsunterlagen, sondern kommt auf andere Weise auf die Position, die er sich wünscht. Zum Zeigen einiger Inhalte möchte ich ihn dennoch nicht vorenthalten.
Der Boss weiß, wer er ist. Er hat bereits vieles erreicht, hat ein großes Maß an Erfahrung und Fähigkeiten gesammelt und besitzt Kante. Das darf er auch zeigen. Im Gegensatz zur Führungskraft zuvor bietet sich nun die Aufnahme aus einer etwas tieferen Perspektive an, die den Eindruck verleiht, er stünde sicher über allem. Die Nutzung von schwarz-weiß sorgt für eine gewisse Eleganz macht ihn geradezu snobistisch. Ferner werden seine Gesichtszüge dadurch markanter. Der Ausdruck ist eher reserviert und gleichzeitig autoritär, womit er zeigt, dass an seiner Position nicht gerüttelt wird.

Beispiel 6

Beispiel 6


Formalitäten gehören dazu

Über diese Beispiele hinaus gibt es noch einige Kniffe, die es in den meisten Fällen zu beherzigen gilt, will man nichts falsch machen:

1. Kopfportraits

Stellen Sie sicher, dass das Bewerbungsfoto ein Kopfportrait ist. Das heißt, das untere Ende sollte im Regelfall nicht über den Bauchnabel hinausgehen. Schließlich ist immernoch das Gesicht der entscheidende Faktor.

2. Größe in den Unterlagen

Die längere Seite sollte etwas um die 5-10 Zentimeter umfassen. Kleiner macht das Gesicht schwerer erkennbar, größer wirkt zu sehr nach Selbstdarstellung.

3. Qualität

Gehen Sie IMMER zu einem Profi! Nutzen Sie die Vergleichsmöglichkeiten, die Sie haben und lassen Sie sich nicht auf Arbeitsweisen ein, die einem ISO-Standard folgen könnten. Sie sind sich mehr wert!

4. Keine Urlaubsfotos

Sie reichen eine Stellenbewerbung ein! Der Urlaubsantrag kommt weitaus später und selbst dann haben die Fotos nicht immer etwas auf der Arbeit verloren. Sie sollten sich dran halten, sonst sind Sie sofort in der Ablage „P“.

5. Dezenter Hintergrund

Der Hintergrund sollte Ihre Persönlichkeit unterstreichen, keinesfalls von ihr ablenken. Die Gestaltung sollte so gewählt sein, dass der Blick immer wieder auf die Person fällt.

6. Nutzen Sie die Macht des Bildes

Zwar sind Fotos inzwischen kein Pflichtbestandteil einer Bewerbung mehr, ihre Wirkung sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Lassen Sie also welche anfertigen.


Unterm Strich

Die Anfertigung von Bewerbungsfotos erfordert die Berücksichtigung vieler Details. Dabei wird natürlich schnell klar, dass das keine Sache von fünf Minuten sein kann und darf. Zum einen benötigt der Bewerber eine gewisse Zeit, um sich auf die Situation beim Fotografen einzustellen, zum anderen kann hier und da ein erhöhtes Maß an Vorbereitung oder Korrekturen notwendig sein. Außerdem braucht es einfach eine mehr oder weniger große Anzahl Versuche, um DIE eine authentische Aufnahme zu erzeugen, die beim neuen Arbeitgeber genau die Reaktion hervorruft, die sich der Kandidat wünscht. Eine Einladung zum Gespräch.

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