Zertifizierter Fotograf?

Googles „Business Photo“? – Manchmal hungrig, aber nicht verzweifelt!

Vor Kurzem machte mich ein Geschäftspartner auf einen Artikel bei heise.de aufmerksam. Demnach hat Google ein neues Modell namens „Business Photo“ entwickelt, um lokale Unternehmen samt Innenraumfotos auf Street View zu präsentieren. Er meinte, dieses Modell könnte für mich eventuell interessant sein, brachte aber auch sofort den Vermerk, dass ich mir das trotzdem lieber mal genauer anschauen sollte. Das tat ich und stieß auf einen ausführlicheren Artikel zu diesem Thema.

Allein die drei Absatzüberschriften darin stimmten mich sehr schnell sehr missmutig. „Die Kosten werden auf Dritte abgewälzt“ hieß es da. Ferner „Die Vertragsbedingungen wurden schlampig übersetzt“ und „Den Nutzen hat in erster Linie Google“. Da kam ich natürlich nicht umhin, alles zu lesen.

Um für Google arbeiten zu können, muss man sich als Fotograf erst einmal zertifizieren lassen. Die daran geknüpften Bedingungen sind recht haarig. So dürfen nur bestimmte Kameratypen und Objektive verwendet werden, die natürlich erst einmal vorrätig sein müssen. Wenn man jedoch bedenkt, dass es nicht Google selbst ist, das einen zu festgelegten Konditionen zu beauftragen gedenkt, sondern die jeweiligen Ladenbesitzer zu jeweils auszuhandelnden Preisen, dann zeigt sich recht schnell, dass das Ganze für die Beteiligten Parteien nicht unbedingt die sicherste Angelegenheit ist. Google einmal ausgenommen. Vor allem dann, wenn der Internetkonzern für die Zertifizierung vorschreibt, mindestens 30 (!) Wochenstunden für „Business Photo“ freizuhalten. Da Google obendrein nicht vermittelt, sondern die Geschäfte die Fotografen (offenbar ohne Gebietsschutz) selbst suchen müssen, bedeutet das im Klartext Dienst auf Abruf ohne Garantie auf tatsächliche Aufträge.

Dass sich deutsches und amerikanisches Recht nicht immer ganz grün sind, ist an und für sich keine Neuigkeit. Tragisch ist allerdings schon, dass die Vertragsbedingungen nur unzureichend übersetzt wurden und Missverständnisse zulassen. Klar wird allerdings, dass Google wieder einmal sehr gern alle Rechte einbehalten möchte, sämtliche Pflichten und Risiken aber auf die anderen beiden Parteien abwälzt. Eine Marotte, die für US-amerikanische Unternehmen scheinbar Usus sind, wenn sie mit europäischen (Kleinst-) Partnern zusammenarbeiten, denn irgendwie hatte ich beim Lesen ein Deja-Vú.

Google bezahlt nichts, kassiert wahrscheinlich sogar Provisionen und geht dabei keine Risiken ein. Trotz dieser doch sehr zweifelhaften Bedingungen heißt es: „Google darf sich wohl ernsthaft Hoffnungen machen, am ausgetrockneten Bildermarkt eine ausreichende Zahl hungriger Fotografen zu finden, die sich jetzt anmelden und zertifizieren lassen wollen.“ – Nun, ehrlich gesagt hoffe ich wiederum, dass dem nicht so sein wird. Ich für meinen Teil habe mich klar dagegen entschieden. Selbst wenn ich manchmal hungrig bin (und das in erster Linie, weil ich im Arbeitseifer das Essen vergesse), so bin ich gewiss nicht so sehr verzweifelt, mich auf einen solchen Kuhhandel einzulassen.

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