Wer macht das Rennen?

Will man unbedingt ein Rennen gewinnen, ist es sicherlich besser, in einen farbikneuen LaFerrari zu steigen, als in einen fabrikneuen Opel Corsa. Will man hingegen einen kleinen Shopping-Stadtbummel unternehmen, so wird es wohl eher umgekehrt sein. Zwar ist der Corsa insgesamt etwas kleiner, aber er hat einen Kofferraum und obendrein sogar noch eine Rückbank. Außerdem ist er deutlich günstiger und lässt mehr Geld zum Einkaufen übrig. – Es sind Zweck und Bedarf, die darüber entscheiden, welches Produkt gerade das bessere ist.

Mit einer Fotokamera verhält es sich nicht anders. Allerdings wird das immer wieder gern vergessen. Da sind Nutzer, die sich eine digitale Spiegelreflexkamera kaufen, obwohl sie nur einige Schnappschüsse machen wollen. Die sich ein teures Profimodell zulegen, obwohl sie nur einem Hobby nachgehen und keine kundenorientierten Ansprüche erfüllen müssen.

Oft kommt der Spruch „Die Kamera macht ja tolle Bilder!“ – Momente, in denen ich feststellen muss, dass diese Menschen es nicht verstanden haben. Zwar kann ich die tollste Nähmaschine und den besten Stoff besitzen, einen tollen Maßanzug werde ich trotzdem nie schneidern können. Weil ich es nicht gelernt habe. Auch die Kamera ist nur ein Werkzeug. Das beste Equipment nützt nichts, wenn man keinen Plan vom Fotografieren hat. Es werden niemals tolle Fotos entstehen

Dazu eine kleine Anekdote eines Kollegen:
Es war einmal in einem Fotofachgeschäft. Da war ein Kunde, der sich dazu entschied, eine „Canon EOS 5D Mark II“ nebst eines „Canon EF 24-105 f/4 L“-Zoom-Objektives im Gesamtwert von rund 2.500 Euro (!) zu kaufen. Der Berater fragte noch erstaunt, ob ihm denn die 2-GB-Speicherkarte wirklich ausreicht. Darauf antwortete dieser „Klar! Ich will nur ein paar Schnappschüsse machen.“ und legte das Geld auf den Tisch.
Fazit: Diese Person hat sich nicht mit seinen tatsächlichen Bedürfnissen auseinandergesetzt und wird vermutlich wenig später erneut das Fachgeschäft betreten und sich beschweren, wie schlecht doch die Bilder dieser (Profi-) Kamera sind, die er im Automatikmodus geschossen hat.

Ihm hätte eine kleine Kompaktkamera ausgereicht. Schließlich wollte er nicht einmal etwas Spezielles wie bspw. Landschaften, Architektur oder Portraits fotografieren. Spätestens hier hätte die Wahl des Objektives ebenfalls eine Rolle gespielt. Vermutlich hat er außerdem übersehen, dass die 5D Mark II über keinen internen Blitz verfügt, da der Hersteller bei einem professionellen Modell vorweg davon ausgeht, dass der Anwender einen externen oder einen Studioblitz benutzt. Aber im Dunkeln ist bekanntlich gut Munkeln.

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