Another Brick In The Wall

Wer kennt sie nicht. Die Bewerbungsfotos, die sich an (fast) jeder Ecke für 15-20 Euro finden lassen. Den Kopf meist leicht geneigt, in der Mitte positioniert, ein eher zurückhaltendes Lächeln aufgesetzt, gleichmäßig ausgeleuchtet. Letzteres ist eine höfliche Umschreibung für langweilig. Diese Fotos erinnern mich unweigerlich an Pink Floyds „Another Brick In The Wall“. Die sinngemäß passenste Übersetzung wäre wohl „Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen.“

Worum geht es eigentlich bei Bewerbungsfotos? Sie dienen in erster Linie dazu, ein persönliches Empfehlungsschreiben noch persönlicher zu gestalten. Ein Schreiben, das meist die Antwort auf eine Stellenanzeige ist, die ein Unternehmen ausgeschrieben hat und sich häufig um einen ein- bis zweijährigen Vertrag dreht. Geht man von einem recht niedrigen Bruttolohn von monatlich 1.500 Euro aus, so entscheidet der Personalverantwortliche über mindestens 18.000 Euro! Häufig noch mehr. Hier wird klar, dass es nicht nur für ihn, sondern auch für den Bewerber um viel geht. Eine Festanstellung, befristet oder gar unbefristet, sichert über einen längeren Zeitraum die eigene Existenz und den Lebensstandard. Erhöht ihn eventuell sogar.

Nun weiß inzwischen ein jeder von uns, dass es oft nicht einfach ist, einen neuen Job zu bekommen. Bei der Durchsicht der Bewerbungen sind einige Dinge entscheidend. Die fachliche Kompetenz, also WAS ein Aspirant bisher gemacht hat. Die Zeiten, also wann er wie lang bei den einzelnen Arbeitgebern war oder wie er Leerläufe genutzt hat. Häufig läßt dies Rückschlüsse auf Integration, Auffassungsgabe, Durchhaltevermögen oder Flexibilität zu. Nebenbeschäftigungen, in erster Linie Hobbies. Jemand, der lieber im Keller kleine Streichholzschiffe bastelt, ist wahrscheinlich lieber für sich, als ein Fußballer, der mit 10 anderen ein Team bildet. Und nicht zuletzt das Foto, das ebenfalls große Rückschlüsse auf die Persönlichkeit eines Kandidaten zulässt und vor allem, ob es zum restlichen Lebenslauf passt.

Keinen dieser Punkte sollte man unterschätzen und noch weniger vernachlässigen. Ein Foto, das den Bewerber zeigt, wie er ist und gleichzeitig den Inhalt des Schreibens wiederspiegelt, wird den zukünftigen Chef eher überzeugen, als eine Standardaufnahme.
Denn bei Letzterer geht es häufig viel zu schnell. Hinsetzen, Mundwinkel hoch, drei vier Bilder schießen und entscheiden. Das Ganze dauert selten länger als drei Minuten. In dieser Zeit kann sich niemand auf die bestehende Situation einstellen und sich entspannen. Kann nicht der sein, der er wirklich ist. Ist vieles, nur nicht authentisch. Und zu allem Übel ist das Foto gewöhnlich aufgebaut. Sticht nicht aus der Masse heraus, macht nicht auf sich aufmerksam.

Was passiert? Der Anwärter fällt schneller durchs Raster. Wird nicht als der wahrgenommen, den die Firma in diesem Augenblick sucht und lässt einen Menschen links liegen, der möglicherweise genau in ihr Team gepasst hätte. Schade!

Obiges Foto ist übrigens mindestens acht Jahre alt und aus den Zeiten, als ich es selbst noch nicht besser wusste. Zum Vergleich:

Vielen Dank an Sonja Bahalwan vom Studiobetrieb in Berlin.

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